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Jira-Automatisierung Kosten ab 3. Dezember 2026

8 Min. Lesezeit
JIRADer RüdigerCONSULTING

Ab dem 3. Dezember 2026 ändert Atlassian die Abrechnung von Automationen in Jira Cloud. Bisher zählten Regelausführungen. Künftig zählt jeder einzelne Schritt, den eine Regel durchläuft. Angekündigt hat Atlassian das am 1. September 2026 im Unternehmensblog. Die Einzelheiten stehen auf der Hilfeseite zur Verbrauchsberechnung.

Für viele Unternehmen im Mittelstand klingt das nach einer Randnotiz für Administratoren. Ich halte es für einen guten Anlass, die eigenen Regeln einmal vollständig anzusehen. Denn die Frage, was Jira-Automatisierung kostet, entscheidet sich weniger am Preis je Schritt als an der Bauweise Ihrer Regeln.

Alle Zahlen in diesem Beitrag haben den Stand 27.09.2026 und gelten nur für Jira. Confluence und Jira Service Management haben eigene Kontingente.

Was ab dem 3. Dezember als Schritt zählt

Laut Hilfeseite zählt jede Ausführung einer dieser Komponenten als ein Schritt:

  • Auslöser, also das Ereignis, das die Regel startet
  • Bedingungen, die prüfen, ob die Regel weiterlaufen soll
  • Aktionen, zum Beispiel ein Feld setzen oder einen Kommentar schreiben
  • Verzweigungen (Wenn/Sonst)
  • Schleifen (für jeden Vorgang)

Zwei Details machen den Unterschied. Erstens zählen auch Läufe, die nichts bewirken. Wenn eine Bedingung scheitert oder eine geplante Suche keinen Vorgang findet, wird die Ausführung des Auslösers trotzdem als Schritt berechnet. Zweitens werden Schritte in einem gemeinsamen Topf gezählt. Das Kontingent gilt für die ganze Organisation und über alle Atlassian-Produkte hinweg.

Nicht gezählt werden Systemkomponenten und gedrosselte Läufe. KI-Komponenten wie „Use Rovo“ verbrauchen keine Automationsschritte, sondern Rovo-Guthaben.

Wie viele Schritte Ihnen zustehen

Die Kontingente für Jira laut Hilfeseite zur Verbrauchsberechnung, Stand 27.09.2026:

Jira-Tarif Schritte pro Monat
Free 150 je Abonnement
Standard 400 je Nutzer
Premium 750 je Nutzer
Enterprise 1.000 je Nutzer

Wie viele Schritte Ihre eigenen Regeln verbrauchen und wie sich das auf Ihren Tarif umrechnet, können Sie mit dem Jira-Automation-Kostenrechner für aktuelle Werte und Ihre eigene Rechnung abschätzen.

Wer mehr verbraucht und die Zusatznutzung aktiviert hat, zahlt 0,50 US-Dollar je 1.000 weitere Schritte. Wer die Zusatznutzung nicht aktiviert hat, erlebt etwas anderes: Bei 100 Prozent Verbrauch halten die Regeln an, bis im nächsten Abrechnungszeitraum das Kontingent neu startet.

Ein fiktives Rechenbeispiel

Die folgenden Werte sind erfunden. Sie beschreiben ein typisches Bild, wie ich es in gewachsenen Jira-Umgebungen häufig antreffe.

Ausgangslage: Ein Unternehmen hat 60 Nutzer im Tarif Standard. Das ergibt 60 × 400 = 24.000 Schritte pro Monat. Im Monat gibt es 21 Arbeitstage.

Regel 1: Neue Vorgänge vorbelegen. Auslöser „Vorgang erstellt“, eine Bedingung „Vorgangstyp ist Aufgabe“, zwei Aktionen (Komponente setzen, Beobachter hinzufügen). Das sind 4 Schritte je Lauf. Bei 40 neuen Vorgängen pro Arbeitstag:

40 × 21 × 4 = 3.360 Schritte

Regel 2: Benachrichtigung bei Statuswechsel. Auslöser „Status geändert“, eine Bedingung „neuer Status ist In Prüfung“, bei Treffer zwei Aktionen. Die Regel startet bei jedem Statuswechsel im ganzen Unternehmen, angenommen 1.800 im Monat. Nur 300 davon erfüllen die Bedingung.

1.800 × 2 (Auslöser und Bedingung) + 300 × 2 (Aktionen) = 4.200 Schritte

Regel 3: Stündliche Prüfung überfälliger Vorgänge. Ein geplanter Auslöser läuft rund um die Uhr jede Stunde, davor prüft eine Bedingung, ob die Suche überhaupt startet — das sind 2 Grundschritte je Lauf, unabhängig vom Suchergebnis. Die Suche liefert 200 offene Vorgänge. Für jeden gefundenen Vorgang läuft eine Aktion (Kennzeichnung setzen), also 1 Schritt je Vorgang. Je Lauf sind das 2 + 200 × 1 = 202 Schritte. Bei 24 Läufen am Tag und 30 Tagen:

202 × 24 × 30 = 145.440 Schritte

Zusammen verbrauchen die drei Regeln rund 153.000 Schritte, also mehr als das Sechsfache des Kontingents. Regel 3 allein ist dafür verantwortlich. Mit aktivierter Zusatznutzung kostet der Mehrverbrauch von rund 129.000 Schritten etwa 64,50 US-Dollar im Monat. Ohne Zusatznutzung stehen alle Regeln des Unternehmens nach wenigen Tagen still, auch die sinnvollen.

Ob die Aktionen einer geplanten Regel für jeden gefundenen Vorgang einzeln gezählt werden, hängt von der Bauweise ab. Prüfen Sie deshalb den tatsächlichen Verbrauch in der Verbrauchsübersicht Ihrer Automation, bevor Sie Entscheidungen treffen. Das Beispiel zeigt die Größenordnung, keine exakte Rechnung für Ihr System.

Was das Beispiel zeigt

Der Geldbetrag ist in diesem Beispiel überschaubar. Das eigentliche Risiko liegt woanders:

Stillstand statt Rechnung. Wer die Zusatznutzung nicht freigibt, bemerkt die Umstellung erst, wenn Frühwarnungen und Zuweisungen ausbleiben. Das fällt oft Tage später auf.

Fremdverbrauch im gemeinsamen Topf. Wenn andere Bereiche Automationen in Confluence oder im Servicedesk betreiben, zehren sie vom selben Kontingent. Ohne Übersicht weiß niemand, wer wie viel verbraucht.

Unsichtbare Altlasten. Regeln, die vor Jahren jemand angelegt hat, laufen weiter, auch wenn sie keiner mehr braucht. Bisher hat das kaum jemanden gestört. Ab Dezember kostet jeder Leerlauf.

Vier Maßnahmen, die ich vor dem 3. Dezember empfehle

1. Regel-Inventur machen

Legen Sie eine Liste aller aktiven Regeln an, mit Zweck, Verantwortlichem, Auslöser und Zahl der Läufe in den letzten 30 Tagen. Die Ausführungshistorie in der Automation liefert dafür die Daten. Für jede Regel beantworten Sie eine Frage: Würde jemand es merken, wenn sie fehlt? Wenn nicht, gehört sie auf die Liste zum Abschalten.

2. Bedingungen früh setzen

Eine Regel, die bei jedem Statuswechsel startet, zahlt für jeden Start. Wählen Sie deshalb den engsten passenden Auslöser. Statt „Status geändert“ mit anschließender Prüfung eignet sich oft ein Auslöser für einen bestimmten Übergang. Wo eine Bedingung nötig ist, gehört sie direkt hinter den Auslöser, vor alle anderen Komponenten. Und legen Sie Regeln auf die Projekte fest, für die sie gedacht sind, statt sie global laufen zu lassen.

3. Geplante Regeln bündeln und eingrenzen

Geplante Regeln sind in den meisten Umgebungen die größten Verbraucher. Drei Stellschrauben helfen:

  • Takt senken. Eine Frühwarnung vor Fälligkeit muss nicht stündlich laufen. Einmal am Arbeitstag um 7 Uhr reicht in der Regel.
  • Suche schärfen. Statt aller offenen Vorgänge nur die, die wirklich betroffen sind, etwa mit duedate <= endOfDay("+3d") AND statusCategory != Done.
  • Zusammenfassen. Mehrere geplante Regeln mit ähnlicher Suche lassen sich oft zu einer Regel mit Verzweigung zusammenlegen.

Im fiktiven Beispiel sinkt Regel 3 mit diesen Änderungen deutlich: ein Lauf pro Arbeitstag, die Suche liefert 15 statt 200 Vorgänge, die Bedingung entfällt, weil die Suche sie schon abdeckt. Das ergibt 1 + 15 = 16 Schritte je Lauf und 16 × 21 = 336 Schritte im Monat statt 145.440. Die Frühwarnung kommt immer noch rechtzeitig an.

4. Verwaiste und fehlerhafte Regeln löschen

Suchen Sie nach Regeln, deren Verantwortliche das Unternehmen verlassen haben, nach Regeln im Fehlerzustand und nach Regeln für archivierte Projekte. Fehlerhafte Regeln werden laut Hilfeseite ebenfalls berechnet. Deaktivieren Sie solche Regeln zuerst, beobachten Sie zwei Wochen und löschen Sie sie dann.

Wer die Verantwortung übernehmen sollte

Die Schrittabrechnung macht deutlich, was vorher schon galt: Automationen brauchen einen Eigentümer. In vielen Unternehmen darf jeder Projektadministrator Regeln anlegen, aber niemand behält den Überblick. Ich empfehle eine kurze Richtlinie mit drei Punkten:

  • Neue Regeln werden mit Zweck und Verantwortlichem eingetragen.
  • Globale und geplante Regeln brauchen eine Freigabe.
  • Einmal im Quartal wird der Verbrauch geprüft.

Wie Sie diese Verantwortung dauerhaft verankern, von der Freigabepflicht bis zur Schulung neuer Regelersteller, beschreibe ich auf der Seite zu Schulung und Governance für Jira-Automatisierungen.

Wie viele Schritte Ihre eigenen Regeln verbrauchen, können Sie mit dem Jira-Automation-Kostenrechner grob abschätzen. Welche Regeln sich für Frühwarnung, Stillstand und Eskalation eignen und wie sie sparsam gebaut werden, beschreibe ich auf der Seite zur Jira-Automatisierung.

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Häufige Fragen

Zählt eine Regel auch, wenn sie nichts tut?

Ja. Laut Atlassian-Hilfeseite wird die Ausführung des Auslösers auch dann als Schritt berechnet, wenn keine Vorgänge gefunden werden oder eine Bedingung nicht erfüllt ist. Das gilt auch für Regeln im Fehlerzustand, die seit einer Änderung an Feldern oder Workflows dauerhaft fehlschlagen. Deshalb lohnt sich vor dem 3. Dezember eine Regel-Inventur, die genau solche Leerläufe aufdeckt und einer aktuellen Verantwortung zuordnet.

Teilen sich Jira und Confluence das Kontingent?

Ja. Die Kontingente werden organisationsweit und über alle Atlassian-Produkte hinweg in einem gemeinsamen Topf gezählt, nicht getrennt je Team oder Projekt. Die Höhe des Anteils hängt je Produkt vom Tarif und der Nutzerzahl ab. Laut Hilfeseite zur Verbrauchsberechnung, Stand 27.09.2026, hat Confluence niedrigere Grundkontingente als Jira, während Jira Service Management höhere Grundkontingente als Jira hat. Ohne eine Übersicht über alle Bereiche weiß niemand, wer wie viel vom gemeinsamen Kontingent verbraucht.

Was passiert, wenn das Kontingent aufgebraucht ist?

Mit aktivierter Zusatznutzung laufen die Regeln weiter, und jeder weitere Block von 1.000 Schritten kostet 0,50 US-Dollar (Stand 27.09.2026, laut Hilfeseite zur Verbrauchsberechnung). Ohne aktivierte Zusatznutzung halten dagegen alle Automationen der Organisation an, bis das Kontingent im nächsten Abrechnungszeitraum neu startet, auch sinnvolle Regeln wie Frühwarnungen oder Zuweisungen. Das fällt oft erst auf, wenn erwartete Hinweise ausbleiben.

Ihr nächster Schritt

Wenn Sie wissen möchten, wie viele Schritte Ihre Regeln tatsächlich verbrauchen und welche davon Sie wirklich brauchen, sprechen wir darüber. Im kostenlosen 30-Minuten-Erstgespräch ordne ich Ihre Ausgangslage ein und sage Ihnen, ob sich eine genauere Prüfung lohnt.

Jira, Confluence und Rovo sind Marken der Atlassian Corporation. Keine Partnerschaft mit Atlassian.

Timo Rüdiger, Inhaber Der Rüdiger Consulting

Timo Rüdiger

Inhaber, Der Rüdiger Consulting

Über 25 Jahre unternehmerische Praxis in Führung, Marketing und Vertriebssteuerung. Ich schreibe hier über die Themen, die ich in meinen Beratungsmandaten tatsächlich bearbeite, keine zusammengefassten fremden Studien.

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