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Prozessdokumentation im KMU: Vorlage für den Alltag

7 Min. Lesezeit
PROZESSEDer RüdigerCONSULTING

Prozessdokumentation im KMU muss einer Vertretung helfen, einen Vorgang sicher zu übernehmen. Stellen Sie sich ein fiktives Beispiel vor: Eine Kundenanfrage liegt im gemeinsamen Postfach. Die zuständige Kollegin ist im Urlaub. Ihr Vertreter findet eine Anleitung mit dem Satz „Anfrage prüfen und Angebot erstellen“. Ob die Angaben ausreichen und wer einen abweichenden Liefertermin bestätigen darf, steht dort nicht. Genau diese Entscheidungen gehören in eine brauchbare Prozessbeschreibung.

Ich empfehle, mit einem abgegrenzten Ablauf anzufangen und seine Beschreibung von einer anderen Person testen zu lassen. Dafür brauchen Sie zunächst einen konkreten Vorgang und die Menschen, die ihn bearbeiten. Die folgende Vorlage ist mein Vorschlag für diesen Einstieg.

Wählen Sie einen Ablauf mit erkennbarem Anfang und Ende

„Vertrieb dokumentieren“ ist als Arbeitsauftrag zu groß. „Eine eingehende Anfrage bis zur Entscheidung über die Angebotserstellung prüfen“ lässt sich genauer beschreiben. Der Start ist eine eingegangene Anfrage. Das Ende ist eine dokumentierte Entscheidung: Angebot vorbereiten, Angaben nachfordern oder Anfrage ablehnen.

Wählen Sie einen Ablauf, bei dem Rückfragen oder Vertretungssituationen konkret benennbar sind. Lassen Sie die Beteiligten einen abgeschlossenen Vorgang zeigen. Fragen Sie bei jedem Arbeitsschritt, welche Information sie verwendet haben und woran sie erkannt haben, dass es weitergehen konnte.

Trennen Sie dabei den tatsächlichen Ablauf von Verbesserungsideen. Wenn Mitarbeitende heute eine Nebenliste benötigen, gehört sie zunächst in die Aufnahme. Ob diese Liste künftig entfallen soll, ist eine anschließende Entscheidung. Eine Beschreibung des Wunschzustands hilft der Vertretung wenig, solange der Betrieb anders arbeitet.

Was in eine Prozessbeschreibung gehört

Das ISO-Hinweispapier zum Prozessansatz in ISO 9001:2015 behandelt Eingaben und Ergebnisse, das Zusammenspiel von Prozessen sowie Verantwortung. Als mögliche Dokumentationsformen nennt es unter anderem schriftliche Anweisungen, Checklisten und Ablaufdarstellungen. Welche Prozesse wie ausführlich dokumentiert werden, soll die Organisation anhand ihres Kontextes und der Risiken bestimmen. Quelle: ISO, The process approach in ISO 9001:2015, abgerufen am 27.09.2026.

Für Ihren Einstieg schlage ich die folgenden Felder vor. Die Vorlage ist eine Arbeitshilfe für den Alltag, kein Nachweis für die Erfüllung einer Norm. Wie detailliert Sie die einzelnen Felder ausarbeiten, richtet sich nach dem konkreten Ablauf.

Feld Was Sie eintragen
Zweck und Grenze Welches Ergebnis soll entstehen? Wo beginnt und endet der Ablauf?
Auslöser Welches Ereignis startet die Bearbeitung?
Benötigte Angaben Welche Informationen müssen vorliegen? Wo liegen die verbindlichen Unterlagen?
Zuständigkeit Wer bearbeitet den Vorgang? Wer vertritt diese Rolle und wer darf entscheiden?
Arbeitsschritte Welche Handlung folgt auf welche? Welche Entscheidung verändert den weiteren Weg?
Übergabe Wer übernimmt anschließend und woran erkennt diese Person einen vollständigen Vorgang?
Ausnahmen Wann wird die Bearbeitung unterbrochen? Wer klärt den Fall?
Pflege Wer verantwortet die Beschreibung? Welcher Stand gilt und was löst eine Überprüfung aus?

Beginnen Sie mit einer kurzen Übersicht. Detaillierte Bedienhinweise können Sie als eigene Anleitung verlinken. So bleibt beispielsweise die Entscheidung über eine unvollständige Anfrage verständlich, auch wenn sich später ein Bildschirm im eingesetzten System ändert.

Schreiben Sie Entscheidungen und Übergaben konkret auf

„Unterlagen prüfen“ beschreibt eine Tätigkeit, aber noch kein Ergebnis. Schreiben Sie auf, welche Unterlagen die zuständige Person prüft und welche Bedingung für den nächsten Schritt erfüllt sein muss. Vermeiden Sie Formulierungen, die nur langjährige Mitarbeitende verstehen.

Im fiktiven Beispiel braucht die Angebotsvorbereitung eine eindeutige Leistungsbeschreibung sowie Angaben zum gewünschten Termin. Fehlt die Leistungsbeschreibung, fragt der Innendienst beim Kunden nach. Bis zur Antwort bleibt der Vorgang als „Angaben fehlen“ gekennzeichnet. Die Dokumentation hält außerdem fest, wer die offenen Anfragen wieder ansieht und wo die nächste Wiedervorlage steht.

Eine Übergabe könnte in diesem Beispiel so beschrieben sein:

Der Innendienst übergibt die Anfrage an die Kalkulation, sobald die Leistungsbeschreibung vorliegt und der gewünschte Termin erfasst ist. Er verlinkt die Kundenunterlagen im Vorgang. Die Kalkulation bestätigt die Übernahme dort. Offene fachliche Fragen bleiben beim Innendienst, bis eine Antwort des Kunden vorliegt.

Das ist eine beispielhafte Regel, die Sie an Ihren Betrieb anpassen müssen. Besprechen Sie sie mit beiden Seiten der Übergabe. Falls die Kalkulation weitere Angaben braucht, ergänzen Sie diese vor der Nutzung. Ein Statuswort wie „erledigt“ reicht als Übergabekriterium erst aus, wenn alle Beteiligten dasselbe darunter verstehen.

Dokumentieren Sie, wann jemand stoppen muss

Für Ausnahmen empfehle ich eine eigene Spalte oder einen kurzen Abschnitt direkt am betroffenen Schritt. Dort soll die bearbeitende Person erkennen, ob sie selbst entscheiden darf oder jemanden hinzuziehen muss.

Im fiktiven Anfrageprozess könnte ein Kunde einen Liefertermin verlangen, den der Innendienst nicht zusagen darf. Die Beschreibung verweist dann auf die zuständige Entscheidungsrolle. Bis deren Antwort vorliegt, erfolgt keine Terminbestätigung. Halten Sie auch fest, wer die Kundenkommunikation übernimmt, damit die Rückfrage nicht zwischen den Beteiligten liegen bleibt.

Sammeln Sie zunächst die Ausnahmen, die das Team anhand konkreter Vorgänge erklären kann. Für einen unbekannten Sonderfall brauchen Sie einen benannten Klärungsweg. Schreiben Sie keine scheinbar vollständige Liste, wenn niemand beurteilen kann, ob sie den Alltag abdeckt.

Lassen Sie die Vertretung mit der Beschreibung arbeiten

Ich würde den ersten Entwurf einer Person geben, die fachlich zur Bearbeitung befähigt ist, den beschriebenen Ablauf aber nicht täglich ausführt. Gehen Sie gemeinsam einen geeigneten Beispielvorgang durch. Verzichten Sie zunächst auf mündliche Ergänzungen und notieren Sie, wo die Person nachfragen muss.

Prüfen Sie dabei insbesondere:

  • Findet die Vertretung die benötigten Unterlagen über die angegebenen Verweise?
  • Kann sie erkennen, welche Entscheidung sie selbst treffen darf?
  • Weiß sie bei fehlenden Angaben, wie der Vorgang weitergeführt wird?
  • Erkennt die nächste zuständige Person, wann sie übernehmen soll?

Jede notwendige Erklärung ist ein Hinweis auf eine mögliche Lücke. Manche Lücken gehören in die Prozessbeschreibung, andere in eine Schulung oder eine ausführlichere Arbeitsanweisung. Ergänzen Sie gezielt und wiederholen Sie den betreffenden Abschnitt des Tests. Externe Nachrichten oder verbindliche Zusagen sollten bei diesem Probelauf nur simuliert werden.

Halten Sie den gültigen Stand auffindbar

Legen Sie eine verbindliche Ablage fest und verlinken Sie von den Arbeitsplätzen dorthin. Die Beschreibung sollte zeigen, wer sie fachlich verantwortet und wann sie zuletzt geprüft wurde. Wenn Sie mit Dateien arbeiten, kennzeichnen Sie überholte Fassungen eindeutig, damit eine Vertretung sie nicht versehentlich verwendet.

Vereinbaren Sie außerdem konkrete Anlässe für eine erneute Prüfung: eine andere Zuständigkeit, ein geänderter Arbeitsschritt oder eine Rückfrage, die die Beschreibung nicht beantwortet. Wer den Ablauf ändert, sollte auch die zuständige Person für die Dokumentation einbeziehen. Planen Sie die Aktualisierung als Teil der Änderung ein.

Eine bestimmte Software ist für die hier vorgeschlagene Vorlage keine Voraussetzung. Prüfen Sie zunächst, ob Ihre vorhandene Ablage für die Beteiligten erreichbar ist und einen eindeutig gültigen Stand ermöglicht. Erst wenn dabei konkrete Anforderungen offenbleiben, lohnt die Auswahl eines weiteren Werkzeugs.

Vom dokumentierten Ablauf zur nächsten Verbesserung

Beginnen Sie mit einem Vorgang, bei dem eine Vertretung heute auf mündliche Hilfe angewiesen ist. Füllen Sie die Vorlage mit den beteiligten Personen aus und testen Sie die Beschreibung. Halten Sie anschließend fest, welche Rückfragen noch entstehen und welche Regel das Team ändern möchte.

Wenn Sie danach einzelne Arbeitsschritte automatisieren wollen, finden Sie im Beitrag zur Prozessautomatisierung im KMU das weiterführende Vorgehen. Für Unterstützung bei der Aufnahme und Klärung Ihrer Abläufe finden Sie meine Leistungen zur Prozess- und Organisationsberatung auf der Website. Bringen Sie zu einem Erstgespräch einen konkreten Ablauf mit, bei dem eine Übergabe oder Vertretung heute unklar bleibt.

Timo Rüdiger, Inhaber Der Rüdiger Consulting

Timo Rüdiger

Inhaber, Der Rüdiger Consulting

Über 25 Jahre unternehmerische Praxis in Führung, Marketing und Vertriebssteuerung. Ich schreibe hier über die Themen, die ich in meinen Beratungsmandaten tatsächlich bearbeite, keine zusammengefassten fremden Studien.

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