Benutzerdefinierte Felder in Jira sind dann hilfreich, wenn sie eine konkrete Entscheidung oder Auswertung unterstützen. Schwierig wird es, wenn niemand mehr erklären kann, welches von mehreren ähnlich benannten Feldern maßgeblich ist. Bevor Sie Jira-Felder aufräumen, brauchen Sie deshalb eine Bestandsaufnahme: Was bedeutet das Feld, wer nutzt es und was hängt daran?
Ich beginne bei dieser Frage nicht mit dem Löschen. Zunächst werden Bedeutung, Verwendung und Zuständigkeit geklärt. Erst danach lässt sich entscheiden, welche Felder bleiben, enger eingesetzt oder kontrolliert abgelöst werden sollen. Der folgende Ablauf richtet sich an die Administration von Jira Cloud und die beteiligten Fachbereiche.
Wie viele benutzerdefinierte Felder sind zu viele?
Die reine Anzahl beantwortet nicht, ob Ihre Konfiguration fachlich passt. Ein zusätzliches Feld kann einen klaren Zweck haben. Umgekehrt können schon wenige Felder verwirren, wenn sie denselben Begriff unterschiedlich verwenden. Prüfen Sie deshalb technische Grenzen und fachlichen Nutzen getrennt.
Atlassian nennt für Jira Cloud eine Grenze von 700 Feldern je Space. Sobald sie erreicht ist, können keine zusätzlichen Felder zugeordnet werden, bis die Konfiguration reduziert wurde. Bestehende Felder und Daten bleiben verfügbar. Diese Grenze betrifft Felder insgesamt und ist keine Empfehlung für 700 benutzerdefinierte Felder. Quelle: Atlassian, Optimize fields per space, Stand 05.10.2026.
Für Ihre Aufräumarbeit ist eine andere Frage nützlicher: Welches Feld erzeugt heute Rückfragen oder widersprüchliche Berichte? Beginnen Sie dort. Ein verständliches Ergebnis in einem abgegrenzten Bereich ist besser prüfbar als das pauschale Ziel, möglichst viele Felder zu entfernen.
Erstellen Sie ein Feldinventar mit fachlicher Bedeutung
Nehmen Sie zunächst einen ausgewählten Arbeitsbereich auf. Halten Sie zu jedem untersuchten Feld die technische Kennung und den sichtbaren Namen fest. Ergänzen Sie die Beschreibung aus Sicht der Anwender. Ein Titel wie „Termin" reicht nicht, wenn damit sowohl eine ursprüngliche Planung als auch eine aktuelle Zusage gemeint sein könnte.
Ordnen Sie dem Feld eine fachlich verantwortliche Rolle zu. Diese Person muss nicht die technische Konfiguration bearbeiten. Sie sollte aber erklären können, weshalb die Information benötigt wird und wie das Team einen Wert festlegt. Die Administration ergänzt anschließend die technischen Verwendungen.
Folgende Arbeitstabelle eignet sich als Ausgangspunkt. Sie ist eine Audit-Vorlage, kein vollständiger automatischer Abhängigkeitsnachweis.
| Prüfpunkt | Was Sie festhalten |
|---|---|
| Kennung und Name | Welches konkrete Feld ist gemeint? |
| Bedeutung | Welche Information wird erfasst, mit welcher Definition? |
| Fachliche Zuständigkeit | Wer entscheidet über Bedeutung und weiteren Bedarf? |
| Einsatz | In welchen Arbeitsbereichen und Arbeitstypen wird es benötigt? |
| Datenbestand | Gibt es aktuelle oder historische Werte? |
| Abhängigkeiten | Welche Regeln, Berichte, Integrationen oder Masken verwenden es? |
| Entscheidung | Beibehalten, begrenzen, ablösen oder weiter untersuchen? |
Dokumentieren Sie Unklarheiten ausdrücklich. „Zuständigkeit offen" ist ein brauchbarer Befund. Ein vermeintlich zuständiger Name, den niemand bestätigt hat, wäre dagegen eine unsichere Grundlage für die nächste Änderung.
Ähnliche Namen sind noch kein Beleg für Dopplungen
Stellen Sie Felder mit ähnlicher Bezeichnung nebeneinander und vergleichen Sie ihre tatsächliche Bedeutung. Zwei Datumsfelder können notwendig sein, wenn eines die ursprüngliche Planung und eines die aktuelle Zusage abbildet. Umgekehrt können unterschiedlich benannte Felder dieselbe Information sammeln.
Ein fiktives Beispiel: Ein Team nutzt „Kundentermin", ein anderes „Lieferziel". Im Gespräch stellt sich heraus, dass das erste Feld eine bestätigte Zusage enthält, während das zweite nur den internen Wunsch beschreibt. Eine Zusammenführung ohne diese Unterscheidung würde fachliche Information verlieren. Der neue gemeinsame Name allein löst das Problem nicht.
Vereinbaren Sie zuerst eine Definition und den gewünschten Umgang mit bestehenden Werten. Wenn ein Feld abgelöst werden soll, beschreiben Sie die Zuordnung zum Ziel. Mehrdeutige Werte gehören auf eine Prüfliste. Sie sollten nicht stillschweigend nach einer Vermutung übertragen werden.
Prüfen Sie Kontexte, bevor Sie ein weiteres Feld anlegen
Jira-Kontexte ermöglichen Varianten eines Felds, etwa mit unterschiedlichen Auswahloptionen oder Standardwerten. Atlassian beschreibt sie als Möglichkeit, passende Varianten bereitzustellen, ohne dafür jeweils ein neues Feld anzulegen. Die Daten bleiben dem gemeinsamen Feld zugeordnet. Quelle: Atlassian, What are field contexts?, Stand 05.10.2026.
Das ist ein Ansatz für die Zielgestaltung, aber kein Auftrag, bestehende Kontexte ungeprüft zu ändern. Prüfen Sie zunächst, ob die fachliche Bedeutung wirklich gleich ist. Unterschiedliche Auswahllisten können zu einem gemeinsamen Feld passen; unterschiedliche Bedeutungen benötigen eine gesonderte Entscheidung.
Lassen Sie Änderungen an bestehenden Konfigurationen vorab technisch prüfen und mit repräsentativen Daten erproben. Halten Sie fest, welche Werte und Auswertungen nach der Änderung weiterhin verfügbar sein müssen. Die Entscheidung über die Zielstruktur und deren technische Umsetzung sind zwei getrennte Arbeitsschritte.
Ein wenig befülltes Feld ist nicht automatisch ungenutzt
Untersuchen Sie, weshalb ein Feld leer bleibt. Vielleicht ist es nur für seltene Ausnahmen vorgesehen. Vielleicht wird es an der falschen Stelle abgefragt oder sein Zweck ist unklar. Sprechen Sie mit den Personen, die den betroffenen Prozess bearbeiten, bevor Sie daraus eine Löschentscheidung ableiten.
Prüfen Sie außerdem historische Anforderungen. Ein Feld kann für neue Arbeit überflüssig sein und trotzdem zur Erklärung abgeschlossener Vorgänge beitragen. Halten Sie dann getrennt fest, ob neue Werte noch erfasst werden sollen und wie vorhandene Angaben erhalten und zugänglich bleiben müssen.
Der Site Optimizer kann laut Atlassian Hinweise auf nicht verwendete Felder und ihre Konfiguration liefern; die beschriebene Funktion ist für Premium und Enterprise vorgesehen. Quelle: Atlassian, Feldoptimierung, Stand 05.10.2026. Behandeln Sie solche Hinweise als Eingang für die Prüfung, nicht als fachliche Löschfreigabe.
Suchen Sie Abhängigkeiten vor der Änderung
Gehen Sie die Verwendungen gemeinsam mit Administration und Fachbereich durch. Fragen Sie nach Automationsregeln, Filtern, Dashboards, Formularen und angebundenen Systemen. Prüfen Sie für jede gefundene Abhängigkeit, was künftig an ihre Stelle treten soll. Eine Liste ohne geplante Anpassung ist noch kein Änderungsplan.
Atlassian beschreibt, dass zum Löschen markierte Felder aus ihren Verwendungen entfernt und auf Masken nicht mehr angezeigt werden. Eine Wiederherstellung ist zunächst möglich; für dauerhaft benötigte historische Daten empfiehlt die Dokumentation eine Sicherung. Quelle: Atlassian, Delete or restore a field, Stand 05.10.2026.
Verlassen Sie sich für Ihren Änderungsplan trotzdem nicht allein auf eine Wiederherstellungsfunktion. Halten Sie vorher fest, wie Sie Daten, Konfiguration und betroffene Ausgaben vergleichen und wie ein Rückweg praktisch geprüft wird. Fachliche Missverständnisse werden durch das Wiederherstellen eines Felds nicht automatisch aufgeklärt.
Ändern Sie einen abgegrenzten Fall und prüfen Sie das Ergebnis
Wählen Sie einen Kandidaten mit geklärter Bedeutung und überschaubaren Abhängigkeiten. Beschreiben Sie die geplante Änderung schriftlich und lassen Sie die betroffenen Rollen zustimmen. Für den Test brauchen Sie sowohl einen neuen Vorgang als auch passende Bestandsfälle.
Kontrollieren Sie anschließend die tatsächlichen Arbeitswege: Lassen sich Vorgänge wie vorgesehen erfassen und bearbeiten? Sind die benötigten Angaben sichtbar? Liefern betroffene Auswertungen das erwartete Ergebnis? Können angebundene Abläufe weiterhin mit den vereinbarten Daten arbeiten? Dokumentieren Sie Abweichungen, bevor Sie weitere Felder verändern.
Zu einem abgeschlossenen Schritt gehört auch die aktualisierte Feldbeschreibung. Legen Sie fest, wer künftig neue Felder beantragen und ihre Bedeutung prüfen soll. Damit wird aus einer einmaligen Bereinigung eine nachvollziehbare Regel für weitere Anforderungen.
Mit einem konkreten Feld beginnen
Suchen Sie für den Einstieg das Feld aus, über dessen Bedeutung Ihr Team regelmäßig diskutiert. Sammeln Sie Definition, Verwendung und offene Fragen in der Audit-Vorlage. Das liefert eine konkrete Grundlage für die Entscheidung, ob Sie die Beschreibung verbessern oder die Konfiguration ändern müssen.
Unter Jira-Workflows und Pflichtangaben beschreibe ich, wie Felder zum Arbeitsablauf passen können. Auf der Seite zur Jira-Beratung finden Sie den Einstieg in eine gemeinsame Bestandsaufnahme. Ich prüfe zuerst, welche Information Ihr Team für seine Arbeit braucht; daraus ergibt sich der sinnvolle Änderungsumfang.
Jira ist eine Marke der Atlassian Corporation. Es besteht keine Partnerschaft mit Atlassian.
KI-Unterstützung bei der Bildgenerierung.

Timo Rüdiger
Inhaber, Der Rüdiger Consulting
Über 25 Jahre unternehmerische Praxis in Führung, Marketing und Vertriebssteuerung. Ich schreibe hier über die Themen, die ich in meinen Beratungsmandaten tatsächlich bearbeite, keine zusammengefassten fremden Studien.
Mehr über michKlingt das nach Ihrer Situation?
Im kostenlosen Erstgespräch klären wir in 30 Minuten, wo Ihre größten Hebel liegen, unverbindlich und ohne Verkaufsdruck.
Kostenloses Erstgespräch buchen